Stellungnahme von Unbounded Solidaristi zum AZ Kim Hubert
In den vergangenen Monaten wurden Vorwürfe sexueller Übergriffigkeit, Grenzüberschreitungen und missbräuchlicher Beziehungsverläufe öffentlich, die im Umfeld des AZ Kim Hubert stattgefunden haben sollen. Die Vorwürfe wurden Ende 2025 in zwei Callouts veröffentlicht und haben innerhalb und außerhalb der linken Szene zu Diskussionen, Verunsicherung und Kritik geführt.
Da wir als Unbounded Solidaristi seit längerer Zeit mit dem AZ kooperieren und uns dem Ort verbunden fühlen, möchten wir unsere Haltung zu den Ereignissen und den daraus entstandenen Debatten öffentlich darlegen.
Zu den Missbrauchsvorwürfen
Die veröffentlichten Vorwürfe nehmen wir ernst. Die damit verbundenen Schilderungen von Verletzungen, Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen dürfen nicht relativiert oder beiseitegeschoben werden. Eine ernsthafte Aufarbeitung solcher Vorgänge ist notwendig.
Gleichzeitig sehen wir die aktuelle Situation des AZ differenziert. Die damaligen personellen Konstellationen bestehen heute nicht mehr. Die Menschen, die in den veröffentlichten Vorwürfen eine zentrale Rolle spielen, prägen nach unserem Kenntnisstand die aktuelle Arbeit des AZ nicht mehr in der Form, wie dies in der Vergangenheit der Fall war.
Wir erleben bei den heute aktiven Menschen im AZ den ernsthaften Versuch, Verantwortung zu übernehmen und die Folgen vergangener Entwicklungen aufzuarbeiten. Diesen Prozess halten wir für wichtig und unterstützenswert.
Wir sind überzeugt, dass solidarische Aufarbeitung mehr bedeutet als die Frage, wer Teil einer Struktur bleibt und wer nicht. Für uns stehen die Unterstützung betroffener Personen, die Übernahme von Verantwortung und die Veränderung schädlicher Dynamiken im Mittelpunkt. Gleichzeitig möchten wir Menschen nicht vorschnell auf ihre schlimmsten Fehler reduzieren oder sie dauerhaft aus Gemeinschaften ausschließen, ohne Möglichkeiten zur Reflexion, Veränderung und Wiedergutmachung mitzudenken. Wir glauben, dass emanzipatorische Strukturen Wege finden müssen, sowohl Betroffene zu unterstützen als auch Prozesse zu ermöglichen, in denen Verantwortung übernommen und aus Fehlern gelernt werden kann.
Dabei ist uns bewusst, dass solche Prozesse nicht erzwungen werden können. Ob und in welcher Form Begegnung, Austausch oder gemeinsame Aufarbeitung stattfinden, können allein die unmittelbar beteiligten Menschen entscheiden. Unser Anliegen ist nicht, Betroffene zu etwas zu verpflichten, sondern dafür einzutreten, dass Aufarbeitung über bloße Ausschlussmechanismen hinausgeht und langfristige Veränderungen ermöglicht.
Unsere Haltung zum AZ Kim Hubert
Wir sehen keinen Grund, uns vom AZ Kim Hubert als Ort und Gesamtstruktur zu distanzieren.
Das bedeutet nicht, dass wir die Vorwürfe ignorieren oder die entstandenen Schäden kleinreden. Es bedeutet vielmehr, dass wir zwischen den Handlungen einzelner Personen und einer sozialen Infrastruktur unterscheiden, die über viele Jahre von zahlreichen Menschen getragen wurde und weiterhin getragen wird.
Aus unserer Sicht besteht die solidarische Antwort auf solche Krisen nicht darin, Orte und Strukturen vorschnell aufzugeben, sondern sie dabei zu unterstützen, notwendige Veränderungen umzusetzen und aus Fehlern zu lernen.
Wir hoffen, dass die gegenwärtigen Entwicklungen dazu beitragen, schädliche Hierarchien aufzubrechen, Verantwortlichkeiten transparenter zu gestalten und das AZ langfristig zu einem sichereren und resilienteren Ort zu machen.
Wir halten es für sinnvoll, externe und fachlich qualifizierte Unterstützung in den Aufarbeitungsprozess einzubeziehen. Entsprechende Überlegungen werden bereits diskutiert und wir würden uns nach unseren Möglichkeiten an solchen Bemühungen beteiligen.
Zu weiteren politischen Konflikten
Neben den Missbrauchsvorwürfen wurden in den vergangenen Jahren weitere Konflikte sichtbar, die teilweise auch in den Callouts angesprochen werden.
Dazu gehören Vorwürfe antisemitischer Positionierungen, problematische Bezüge auf kommunistische beziehungsweise autoritäre Symbolik sowie Kontakte einzelner Personen oder Gruppen zu neo-kommunistischen Zusammenhängen.
Wir nehmen diese Entwicklungen ernst und distanzieren uns von antisemitischen, autoritären und totalitären Ideologien sowie deren Verharmlosung.
Gleichzeitig halten wir es für notwendig, zwischen einzelnen Personen, politischen Strömungen und dem AZ Kim Hubert als Gesamtstruktur zu unterscheiden. Nach unserer Wahrnehmung existieren keine antisemitischen oder autoritär-kommunistischen Positionierungen im Namen des AZ. Im Gegenteil: Das AZ hat sich über Jahre hinweg als emanzipatorischer, antifaschistischer und selbstorganisierter Ort etabliert.
Diesen Charakter sehen wir durch die aktuellen Konflikte nicht grundsätzlich infrage gestellt.
Warum wir weiterhin solidarisch bleiben
Wir beobachten mit Sorge, dass das AZ durch die verschiedenen Konflikte zunehmend isoliert wird. Besonders betroffen davon sind oft diejenigen, die weder Verantwortung für vergangene Fehlentwicklungen tragen noch an ihnen beteiligt waren: junge Menschen, neue Aktive und diejenigen, die heute versuchen, den Ort weiterzuführen und zu verändern.
Solidarität bedeutet für uns nicht, Kritik auszublenden. Solidarität bedeutet aber auch, Menschen und Strukturen in schwierigen Veränderungsprozessen nicht allein zu lassen.
Unsere Solidarität beschränkt sich dabei nicht auf politische Erklärungen. Als ein bereits geplantes Soli-Konzert aufgrund der Situation nicht im AZ stattfinden konnte, haben wir die Veranstaltung an einem anderen Ort organisiert und durchgeführt. Die Veranstaltung und die dabei gesammelten Mittel kamen unter anderem dem AZ, dem laufenden Aufarbeitungsprozess sowie der Unterstützung von Menschen auf der Flucht und der solidarischen Arbeit an den europäischen Außengrenzen zugute. Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dass wir die notwendigen Veränderungen unterstützen und gleichzeitig verhindern möchten, dass die aktuelle Struktur und die heute aktiven Menschen die Folgen vergangener Entwicklungen allein tragen müssen.
Wir werden daher weiterhin kritisch, aber solidarisch mit dem AZ Kim Hubert zusammenarbeiten und die laufenden Veränderungen nach unseren Möglichkeiten unterstützen.
Schlusswort
Die Vorwürfe und Konflikte der vergangenen Monate haben deutlich gemacht, dass auch emanzipatorische Räume nicht frei von Machtmissbrauch, Fehlentwicklungen und politischen Widersprüchen sind.
Wir wünschen uns eine Kultur, in der Betroffene gehört werden, Verantwortung übernommen wird und notwendige Veränderungen möglich sind, ohne dass Menschen oder ganze Strukturen vorschnell aufgegeben werden.
Diesen Weg möchten wir gemeinsam mit den Menschen gehen, die heute Verantwortung im AZ Kim Hubert übernehmen und an einer positiven Entwicklung des Ortes arbeiten.
Unbounded Solidaristi
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.